Das Leben ist laut, voller Farbe, ein Supermarkt nach 16 Uhr – muss sich das Auge daran gewöhnen, in Farbe zu ersaufen, diesen Hahnenwettstreit ertragen?

Meine Zeichnungen sind stille Räume. Sie spüren der leisen Welt nach, als würden alle Fernsehgeräte und Radios mit einem Mal verstummen. Sie übersetzen Ge­schehnisse in übereinander gelegte, feine Strukturen, die jede Aufgeregtheit aussparen. Meine Zeichnungen müssen nicht laut sein. Sie wollen sezieren, sich behutsam den Bildmotiven annähern. Ich begreife meine Arbeit an groß­formatigen Zeichnungen als eine Art der Meditation. Die Zeichnung hat ihre eigenen Gesetze. Der nackte Un­tergrund besitzt in seiner vollkommenen Leere auch Schönheit. Sobald der Bleistift das Papier berührt, wird diese Stille zur notwendigen Melodie. Die ersten su­chenden Striche umreißen das Spielfeld der Texturen. Ich bin nicht nur Zeichner, auch Zuschauer dessen, was pas­siert – gespannter Zuhörer.

Start | Kontakt | Links | © Danilo Pockrandt 2009